Fully Booked

Print ist tot? Die Ausstellung „Fully Booked: Ink on Paper“ im Gestalten Space beweist das Gegenteil: Das Medium Buch thematisiert sich hier selbst und wird zum besonderen Objekt. Nicht mehr nur Inhalt, sondern ausgefallene Covergestaltung sowie ungewöhnliche Druck- und Bindeverfahren stehen bei der Ausstellung, die noch bis zum Sonntag, den 21. April läuft, im Vordergrund.

Ich lasse mich von Matthias Hübner durch den Gestalten Space führen. Er ist Mitherausgeber des gleichnamigen Buches und Co-Kurator der Ausstellung. Die Bücher sind in vier Archetypen unterteilt, die jeweils eine bestimmte Facette der heutigen Printmedien widerspiegeln: The Storyteller, The Showmaster, The Teacher, The Business Man und The Collecter. Na, dann los!

Jonathan Safrans Foer: Tree of Codes

Jonathan Safrans Foers Buch „Tree of Codes“ aus der Reihe The Storyteller ist mehr Papierkunst als Buch. Jede einzelne Seite besteht aus ausgeschnittenen Zeilen, Wortlücken, durch die man durchsehen kann. Mithilfe typografischer Mittel wird das Lesen zum Ereignis; Layout und Text sind hier gleichrangige Elemente und verbinden sich zur eigentlichen Geschichte.

Johanna Fuchs: Das kleine Schwarze

Die Bücher im Bereich The Showmaster beeindrucken mich am meisten. Für jemanden wie mich, der ein genaues Auge für formale Tücken hat, stellt „Das Kleine Schwarze“ der Kommunikationsdesignerin Johanna Fuchs ein wunderbares Kleinod dar. Das schwarze Büchlein spielt mit einem oft nachlässig verwendeten Satzzeichen in der deutschen Sprache: dem Komma. Rückt das kleine Zeichen mittels einer transparenten Seite ein Wort weiter im Satz, bekommt dieser auf einmal eine ganz andere inhaltliche Bedeutung.

Sam Ita: Die Odyssee Ein Pop-Up-Buch

In Sam Itas aufwendig gestalteten Pop-up-Büchern stecken comichafte Elemente und viel Liebe zum Detail. Beim Blättern springt mir Frankensteins wütende Kreatur oder ein Blitz des zornigen Göttervaters Zeus entgegen. Wunderbar!

Auch The Business Man mit seinen Geschäftsbriefen will hier vertreten sein. Es ist schon erstaunlich, wie viel Geld Unternehmen ausgeben, um ihre Jahresberichte kreativ aufbereiten zu lassen. Und da in so einem Bericht viel Daten und Fakten drinstehen, kann so ein Buch auch mal schwerer als gewöhnlich sein – mithilfe von Metallplatten wohlgemerkt.

Natürlich gibt es bei der Ausstellung noch viel mehr zu sehen. Mehr als 200 zukunftsweisende Bücher und andere Printprodukte haben es auf die Regale und in die Glasvitrinen des Gestalten Space geschafft. Noch mehr Exemplare kann man in dem gleichnamigen Buch „Fully Booked: Ink on Paper: Design and Concepts for New Publications“ bestaunen.

Gestalten Space

Fully Booked: Ink on Paper, noch bis zum 21. April 2013

Gestalten Space

Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21, 10178 Berlin

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 12 bis 20 Uhr

www.news.gestalten.com/space/exhibition