Spargel? Mezcal!

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Und jetzt alle so “Tequila!”…

Stop, cut! Setzt die Sombreros ab, stellt die Gitarre in die Ecke und gebt dem Esel etwas zu Trinken. Ich war gestern auf einem “Tasting”. Es gab Spargel. Die Mezcaleria von Axel Huhn stellte ihr Sortiment an organischen Agavenbränden vor. Wie lecker war das denn bitte? Mezcal wird durch Destillation von Maische aus den gedämpften Herzen verschiedener Agavenarten gewonnen. Tatsächlich ein Spargel-Gewächs, kein Kaktus und keine Lilienart, wie oft gemunkelt wird. Das Wort Mezcal hat seinen Ursprung im Nahuatl, der Sprache der Azteken und bedeutet „gekochte Agave“. Historisch gesehen ist Mezcal der Sammelbegriff für alle in Mexiko hergestellten Agavenbrände. Seit 1994 existiert jedoch eine geschützte Herkunftsbezeichnung (Denominación de Orígen) für Mezcal. Tequilla ist ebenfalls ein Agavenbrand, der einer bestimmten Region zugeordnet sein muss, um den Namen tragen zu können. Das kennen wir zum Beispiel vom Champagner.

Und da wären wir schon beim Thema. Denn Mezcal aus 100 Prozent Agave ist ein sehr edles Getränk, Flaschen kosten auch durchaus 100 Euro und mehr. Das ist auch kein Wunder, denn im Falle der Produkte der Mezcaleria reden wir von Erzeugnissen aus Familienbetrieben, hergestellt in Handarbeit und sehr kleinen Auflagen. Manche mit deutschem Bio-Siegel. Richtige Schätze! Und wie bei allen Edelbränden “genießt man ihn bei Zimmertemperatur aus einem Gefäß, welches ausreichend Luft an die Oberfläche der Flüssigkeit lässt, zum Bespiel Armangnac- Cognac- oder Grappagläser”. Zunächst überwiegt beim Trinken “der Geschmack nach Rauch und Erde, der vom Dämpfen der Agaven herrührt. Dazu kommen Karamell und Pflanzensaft und, je nach verwendeter Agavenart, verschiedene Aromen wie Zitrusfrüchte, Minze, Vanille, Marzipan, Feigen, Honig, Zimt, Mango und viele weitere”.

Ihr merkt, das hört sich schon ordentlich nach Someliers-Deutsch an. Aber wenn man mal überlegt, dass es unglaublich viele unterschiedliche Agaven-Arten und Sub-Spezies, Anbau-Situationen, Traditionen und Geheimrezepturen gibt – kein Wunder, dass keine zwei Flaschen sich gleichen. Mein Favorit des Abends: Pierde Almas Joven. Hergestellt von Don Alfonso Sanchez & Familie in San Baltazar Chichicapam, Ocotlan, Oaxaca. Unglaubliches Getränk.

Mein Tasting fand übrigens im Misirlou statt, einer neuen Bar am Helmholtzplatz, zwischen der ersten Kneipe am Platz, dem EKA, und dem ober-knuffigen Franzosen Chez Ginette. Das Misirlou sieht Trinkkultur eher als Kunstform, denn als Volkssport, was sich an der exzellent sortierten Bar-Karte zeigt. Auf der natürlich auch die Mezcals von Axel Huhn und weitere Schätze aus den Brennereien dieser Welt zu finden sind. Very nice.

So, dann setzt den Sombrero wieder auf, sattelt den Esel, stimmt die Gitarre und reitet in eine der folgenden Bars in Berlin, um euch selbst einen Eindruck zu machen. Würgeengel/Kreuzberg, Buck & Breck/Mitte, Stagger Lee, oder Reingold. Trinkt in Maßen, nicht durcheinander, genug Wassser zwischendurch und dann: Stöß-chen!

Die unglaublich umfangreiche Mezcaleria-Website ist gut für knietiefe Informationen über das Thema Mezcal im Allgemeinen, und die unterschiedlichen Mezcal und ihren Hintergrund zu empfehlen. Auf Facebook gibt´s die nächsten Tasting-Termine. Und bei der Tequila Hacienda kann man die edlen Tropfen ab 40 Euro aufwärts online bestellen. Ansonsten noch beim 1. Absinth-Depot, Berlin, der Weinhandlung Suff, Berlin
und bei Goldhahn & Sampson in der Dunkerstrasse.