Kunst live erleben
Ehrlich gesagt, spektakulär kam mir das alles zunächst so gar nicht vor. Aber nachdem ich dahinter kam, was es mit Rudolf Stingels Teppich + Kronleuchter = Kunst Gleichung auf sich hatte, fand ich doch noch großen Gefallen daran! Stingel ist selbst stolzer Besitzer eines alten, indische Agra-Teppichs, wie sie vor allem in den Salons des 19. und frühen 20. Jh. beliebt waren. So ein Teppich mit seinen Ornamenten war der Inbegriff von Weltläufigkeit und Offenheit. Er wurde zum Ausdruck eines Hauchs an Fernweh nach dem Exotischen, dem Anderen. Doch dann kam die Bauhaus-Moderne und bereitete jedweder Form von Ornament eine jähes Ende. Mies van der Rohes 60er Jahre-Bau (welcher die Neue Nationalgalerie beheimatet) resümiert mit seiner ganz und gar schlichten Formensprache all das, was die europäische Moderne an Klarheit forderte. Und nun kommt Stingel daher und legt in diesem Bauhaustempel einfach diese endlos-großen Agrateppichbahnen aus. Die aufgedruckten Muster beruhen auf denen seines eigenen Teppichs. Lediglich in schwarzweiß. Es ist zu vermuten, dass Stingel u.a. darauf anspielt, was die Europäer aus diesem Stück orientaler Kultur schließlich gemacht haben. Schlicht und (ergreifend) frech!
Ähnliche Beiträge: Romy Schneider Ausstellung | Deutsche Kinemathek, Berlin-Warschau in den Kunstwerken, Das Medizinhistorische Museum der Charité im Jubiläumsjahr



Leserkommentare (1)
Pingback: c/o Berlin wird 10 | Mitteschön - The Berlin Mitte Blog