Ein Berliner Dichter


Uwe Kolbe ist ein Autor, den man gerade als Berliner gelesen haben sollte. 1957 hier geboren ist Kolbe einer der weitaus mehr gesehen, erlebt, und geschrieben hat, als einer wie ich sich mit Sicherheit vorstellen kann. Doch weiß ich, dass auch der Dichter Kolbe nach dem Krieg  Hineingeboren war. So wie meine Generation z.B. hineingeboren wurde in ein geteiltes Deutschland, das wenig später wieder eins werden sollte.

Das schöne an Literatur ist für mich, dass sie es vermag, zeitliche Grenzen zu verwischen. Da gibt es Dinge bei Kolbe, die auch die Kluft zwischen zwei Generationen nicht zu trennen vermag. Auch wenn das pathetisch klingen mag, aber ich würde sagen, dass viele seiner Gedichte irgendwie universelle Gültigkeit haben. Vielleicht nicht für jeden und vielleicht nicht in jeder Lebenslage. Aber immer mal wieder. Und so sollte es doch sein.

So schreibt Kolbe passender Weise in den Nachbemerkungen seines im Suhrkamp-Verlag erschienen Werkes “Diese Frau”: Ein zwanzigjähriger Wehrdienstleistender, ein dreißigjähriger Entdeckungsreisender, ein vierzigjähriger Familienvater und ein fünfzigjähriger Schriftsteller legen hier gemeinsam ihre Liebesgedichte vor. Und sie alle sind anders interessant. Sie alle haben mir etwas in ihrer Sprache mitzuteilen. So schreibt Kolbe weiter: Sie tun dies unter ein und demselben Namen, nicht, um Rätsel aufzugeben, sondern weil ihre Orthographie, Zeichensetzung usw. genug der Vielfalt sind.

Der Lyriker und Prosaautor Uwe Kolbe lebt und arbeitet in Berlin. Er ist aktiv und produktiv wie eh und je.  Sein Sohn ist der Rapper Mach One. Und mit seinem als Heimliche Feste” betitelten Band legte er erst vor 2 Jahren wieder eine Sammlung wundersam-entführender Verse vor. Ein kunstvoller Gedichtzyklus den man lesen sollte!

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text by Eugen Braeunig | Photo by Marius Hammerschmidt, 2005

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