RUN EGO

Die neue Platte der Men Among Animals

Es trägt einen davon

Wird man noch in der Intro Ceremonial Seating akustisch in andere Sphären gebeamt, ja, katapultiert, so befindet man sich bei Menth Reloaded schon in einem klanglichen Dschungel aus groovigen Beats und Breaks. Was mit exotischen Drums beginnt wird alsbald von atmosphärischen Flächen eingeholt. Schließlich überlagern streicherartige, elektronische Sounds den Song bis zur Unkenntlichkeit und mit einem Mal wird alles still. Sunset und Titan holt den Hörer zurück aus der Elektronikapokalypse und hinein in ihre gutgelaunte Südseeatmosphäre. Die Herren machen ihrem Namen tatsächlich alle Ehre. Tierische Backgroundvocals formen sich zu eigenwilligen Chören und werden begleitet von frech jinglenden 80er Synthie- und Percussionelementen. Mal dröhnt es, mal quietscht es, doch immer halten Men Among Animals den Ball am Laufen. They keep it rollin’. Der vierte Song auf Run Ego trägt den Namen White und ist ein gutes Beispiel dafür.

Ich fühle mich erinnert

Mit Gavrilov meinen wir zunächst beim obligatorischen Akustikgitarren-Sentimentalsong der Platte angelangt zu sein. Doch etwa ab der Hälfte des Songs bricht es auch schon orchestraler aus der Band heraus. Wir fühlen uns auf allerbeste Weise erinnert an Shoegaze, an My Bloody Valentine und an The Jesus and Mary Chain, stellenweise sogar an Air erinnernde Instrumentalisation. Dieser Song tut dem Album und Hörer gut. Die sonst so omnipräsenten Gesangsparts, welche wohl mit Isaac Brock, der Stimme der US-Band Modest Mouse, vergleichbar sind, treten hier nämlich genau im richtigen Moment etwas in den Hintergrund. Mit Count The Suckers und Catholic Way kommen wir anschließend vielleicht zu den eingängigsten der hier versammelten Songs. Harmonisch säuselnd, freudig klimpernd, stimmlich vielseitig kommen diese daher. Vielleicht nicht gleich so leichtfüßig wie Vampire Weekend, aber eben auf ihre ganz eigene Weise sehr gewinnend!

Wo die wilden Kerle aufnehmen

Im vergangenen Sommer erst begaben sich die fünf Männer im wahrsten Sinne des Wortes unter Tiere. Denn Run Ego nahmen sie in einer abgelegenen Holzhütte in der dänischen Provinz auf. Und so ist der Nachfolger zu Bad Times, All Gone auch um einiges düsterer ausgefallen. Doch das Melancholische und teils sogar Gefährliche in Songs wie Rewrite Yourself oder Si Clara Tú ist längst nicht immer so vordergründig wie beispielsweise in dem Intermezzo Sleep oder dem darauf folgenden Song The Coast. Glücklicher Weise vermag es die Band diesen waghalsigen Balanceakt, jenes Auf und Ab der Gefühle und Stimmungen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten! So ist Run Ego tatsächlich ein klassisches Album und nicht nur eine CD mit einer Ansammlung unzusammenhängender Lieder geworden. Man munkelt, dass sich Men Among Animals live ohnehin immer wieder selbst übertreffen sollen.. Wir wünschen Ihnen daher nun die Aufmerksamkeit, die Ihnen augenscheinlich schon des Längeren gebührt!

text by Eugen Braeunig

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