End of the Year Column
Last exit, letzte Haltestelle – Leute, in zwei Tagen ist Weihnachten! Und dann dürft Ihr nochmal eine Woche dranhängen und schon befinden wir alle uns im neuen Jahrzehnt. Mann, war nicht eben noch Millenium? Nun ja, goodbye Nuller Jahre! »Wie die Zeit vergeht…« ist ein grausamer Satz, bei dem es jedem halbwegs normalen Menschen schlicht und ergreifend eiskalt den Rücken herunterlaufen muss. Trotzdem ging er mir des Öfteren durch den Kopf in diesen Tagen. Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass die Zeit immer schneller und schneller vergeht je älter man wird. Aber wenn dem so wäre, würde sich die Zeit dann nicht eines Tages einfach selbst einholen. Beißt sich da nicht mit einem Mal die Schlange in den eigenen Schwanz? -Nein, versucht am Besten gar nicht erst diese Frage zu beantworten. Dann lieber gleich noch eine Rechtfertigung hinterher: In solchen Dingen gibt es keine Denkfehler! Denkfehler sind vielleicht in hochkompetenten, ernstzunehmenden Artikeln nicht gestattet. Hier hingegen sind sie mehr als legitim. Wobei: Was ist schon legitim? Blogs sind es noch immer nur so halb. Andererseits hat es auch längst nichts mehr mit Rebellion zu tun, einen solchen Weblog anstelle einer herkömmlichen Website zu betreiben. Nicht legitim ist es dagegen zum Beispiel so endlos viel Zeit auf Facebook zu vergeuden, wie es seit diesem Jahr ca. 150 Mio. mehr Menschen tun. Die Mitgliederzahl hat sich damit in kaum mehr als 12 Monaten einfach mal verdoppelt! Und sie alle klicken fleißig herum, spielen Spiele in denen sie Kuchen backen oder Tiere pflegen müssen, posten Einladungen, Videos und anderen Krempel. Am Ende haben dann Leute wie ich, die sonst immer schon Tage oder gar Wochen vor Weihnachten ihre Geschenke beisammen haben, noch immer nicht alle Besorgungen erledigt. Neulich las ich von der Community ausgestiegen.com.. ein kleiner Lichtblick? Wohl eher nicht – ich kam zu dem persönlichen Schluss, dass Erfahrungsaustausch auf einer mittelmäßigen Plattform wie jener so langweilig ist, dass man dann doch tausendmal lieber beim wenigstens unterhaltsamen Facebook bleibt. Hätte ich nicht schon vor Jahren das Computerspielen aufgegeben, wäre allenfalls das noch eine Alternative. Schlussendlich freue ich mich als Blogger nun aber wirklich auf die Freuden der echten Welt fernab aller digitalen Spielereien: Auf ein paar freie Tage, viel Zeit mit meiner Freundin, Omi-Besuch, Verreisen, Bleigießen, Dinner for one gucken und andere altmodische Silvesterspäße, (…OK, einmal heimlich Mails checken),… Ach und so, so vieles mehr. Am Ende stehen uns ja mit Partys wie der großen Paul-Kalkbrenner-meets-Digitalism-meets-Moonbootica-meets-Gott-weiß-wen-Sause im Weekend noch jede Menge deftige Silvester-Events ins Haus.
Und während ich hier diese kleine Abhandlung meines Empfindens der Zeit (und so manch anderer Dinge) versuche, geht auf Berliner Straßen auf den ersten Blick hin alles so weiter wie gehabt. Und doch ist irgendein Berliner Stadtmagazin mit der Frage betitelt, ob das linke Friedrichshain jetzt wohl bürgerlich werde, an der Schönhauser steht ein Zelt mit Leutchen, die einen dazu bewegen, wollen Patenonkel eines Kindes in Not zu werden, an der Eberswalder werden gebrauchte Fahrscheine gesammelt und auf der Kastanienallee frage ich mich erneut, was das für außerirdisch-bizarre Klamotten im Schaufenster von Thatcher’s sind. Ein paar Schritte weiter das Fresh ‘n’ Friends, die völlig unnötiger Weise tatsächlich IMMER (und mit IMMER meine ich IMMER) geöffnet haben. Schräg gegenüber das Haus mit der Nummer 79, in dem auch die Bar Laub und Frey sesshaft ist – das Gerüst ist wieder verschwunden und darunter das zweifelhafte Werk eines Künstlers an der Fassade zum Vorschein gekommen. Ich muss an den Schock denken, den mir das DSDS-Casting vor ein paar Monaten in der Sprachschule nebenan eingejagt hatte. Und an H1N1, Flugzeugabstürze, Krisengejammer, Bundeswehr-Bombardements, Zweiohrküken sowie Verschwörungstheorien-fördernde Artikel wie diesen HIER auf Spiegel.de. Nun das Jahr ist fast herum und jeder von Euch wird in den letzten Tagen hoffentlich etwas Zeit haben, seine eigene retour en arrière im Kopf zu vervollständigen.
Noch zwei Wahrheiten zum guten Schluss: 1. Zwar ist Obama nun Präsident, doch leider haben die von Google zu viel “Pinky & Brain” gesehen… Daher ist trotzdem Vorsicht geboten. 2. Dada ist eine Geistesart. Eine wunderbarschöne!




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