Brüderchen & Schwesterchen
Jetzt ist er wahrscheinlich da. Der Winter. Zumindest denke ich das, wenn ich in der S-Bahn sitze, wenn mich ein Freund fragt, wie weit es noch zu meiner Wohnung sei, wenn meine Schuhe zum unzähligsten Male durchgeweicht von der Nässe sind, wenn ich mir nach dem ersten noch einen zweiten Schal umbinde und wenn ich morgens ein schönes T-Shirt aus dem Schrank nehme, das unter meinem Pulli ohnehin den ganzen Tag kein Mensch zu Gesicht bekommen wird. Man merkt es, wenn man sich bei sehnsüchtigen Gedanken an den Park erwischt, wenn man vergeblich versucht, sich diesen angeblich Wärme spendenden Himmelskörper namens Sonne vorzustellen. Und als ich eine SMS aus Rom bekomme, fange ich an mich zu fragen, warum ich überhaupt noch hier bin. Die Antwort lautet: Ich brauche das. Ja, so dämlich das klingen mag, aber wahrscheinlich brauchen wir alle das. Und warum? Weil uns, von einem akuten Mangel an Weihnachtsstimmung und Lust auf Wintersport mal abgesehen, des Sommers Schönheit nicht nur selbstverständlich werden würde. Nein, wir würden von vornherein gar nicht erst in diesem Maße in den Bann jenes Sommer-Sonne-gute-Laune-Zaubers geraten, würde uns nicht alljährlich sein raues Brüderchen, der Winter, aufsuchen.



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